Chance Mehrsprachigkeit: Latein als sozialer Katalysator

Katharina Wesselmann, Marilla Walker

Abstract


Das 2016 in den Schweizer Halbkantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft konzipierte Fach Lingua Latein hat zum Ziel, über das Lernen von Latein im ständigen Vergleich mit modernen Sprachen die intuitiven und metakognitiven Sprachenkompetenzen leistungsmäßig heterogener Lerngruppen zu fördern. Die Auswertung einer 2017–2019 durchgeführten Studie liegt nun vor: Bei 104 Lernenden wurden im Verlauf zweier Schuljahre wiederholt ihre Kompetenzen im Deutschen und in anderen modernen Sprachen gemessen und der Zusammenhang dieser Kompetenzen mit ihrem sozioökonomischen Status (SES) und ihrer Sprachenkonstellation analysiert. Die intuitiven und metakognitiven sprachlichen Kompetenzen aller Lernenden stiegen signifikant an. Die Abhängigkeit der Leistungen vom SES nahm signifikant ab, indem die Sprachenkompetenzen der mehrsprachigen Lernenden, die zugleich auch niedrigeren SES hatten, gezielt aktiviert wurden. Die Selbsteinschätzung der Lernenden entsprach diesen Ergebnissen nicht, was möglicherweise mit den niedrigen Erwartungen der Lernenden an experimentelle, spielerische Lernformen zusammenhängt sowie mit der internalisierten Konnotation von Mehrsprachigkeit mit niedrigem SES und daraus resultierenden schwächeren Leistungen.

The subject Lingua Latein, designed for the Swiss cantons Basel-Stadt and Basel-Landschaft in 2016, aims at strengthening intuitive and metacognitive linguistic competences in heterogeneous learning groups by studying Latin in permanent comparison with modern languages. The results of a study conducted between 2017 and 2019 have now been analysed: 104 students were repeatedly tested over the course of two school years regarding their competences in German and other modern languages, while the connection of these competences with their socio-economic status (SES) and their linguistic background was simultaneously analysed. Intuitive and metacognitive competences of all students increased significantly. The connection between SES and performance decreased while the linguistic competences of the multilingual students, who had lower SES, were systematically activated. The self-evaluation of the students did not correspond with this progress, which may be connected with low expectations toward experimental and playful forms of learning, as well as an internalised connotation of multilingualism with low SES and consequently weaker performances.


Schlagworte


Gesamtschule; Sprachkompetenz; sozioökonomischer Status; Latein; Mehrsprachigkeit; plurilingualism; comprehensive schools; linguistic competences; socio-economic status; Latin.

Volltext:

PDF

Refbacks

  • Im Moment gibt es keine Refbacks


Copyright (c) 2021 Katharina Wesselmann, Marilla Walker

Lizenz-URL: http://creativecommons.org/licenses/by-nd/3.0/de/